Wasserkraftwerk im Rucksack

Aquakin baut praktische Anlagen zur Erzeugung von blauem Strom

Wasserenergie hat derzeit einen eher schlechten Ruf. Oft stören große Staudammprojekte die Flussläufe massiv oder gefährden Fische. Mit Miniatur-Kraftwerken will das Fürther Startup Aquakin das blaue Element wieder zu einer attraktiven Energiequelle machen.

2013 forschten ein Modellbau- und ein Kfz-Meister gemeinsam mit drei Kaufmännern an einem sogenannten Linearwasserkraftwerk. Der daraus entstandene Prototyp von Aquakin ist auch in flachen Gewässern ab 40 Zentimeter Tiefe einsetzbar. „Das besondere an unserer Konstruktion ist, dass die Fische nicht gefährdet werden und schadlos durch das Kraftwerk auf- und absteigen können“, weiß Benedikt Schröder, einer der Gesellschafter. Einsetzbar ist das Linearwasserkraftwerk auch in langsam fließenden Gewässern. Fast 400 Anfragen aus über 60 Ländern gibt es dafür schon. Laut Schröder sollen ganze Siedlungen einmal ihre Energie aus diesem Kraftwerk bekommen können.

Der Wirtschaftsingenieur stieß 2014 zum Team von Aquakin. Neben frischem Kapital brachte er auch eine wegweisende Idee mit ins Startup: „Ein Freund von mir hat mich gefragt, ob wir nicht auch etwas für Wanderer machen können, damit die ihre Handys unterwegs auf Touren aufladen können“, erinnert sich Schröder. Erst sei er verdutzt über diesen Vorschlag gewesen. Auf Grund seiner Erfahrung in der Entwicklungshilfe kam er schnell auf ein wichtigeres Einsatzfeld für kleine mobile Kraftwerke: „Menschen in Regionen ohne Anbindung ans Stromnetz brauchen Tag und Nacht eine Lösung, um verschiedene elektrische Kleingeräte aufzuladen.

So ist in Fürth das kleinste und leichteste Wasserkraftwerk der Welt entstanden – die Blue Freedom. Diese Mikroturbine hat einen Durchmesser von 20 Zentimetern und wiegt 600 Gramm. Sie besteht aus einem kleinen Generatorgehäuse und einem herausnehmbaren blauen Rotor. Um ein elektrisches Gerät am vorbeifließenden Bach aufzuladen, wird es zunächst an den USB-Port des Wasserkraftwerks angeschlossen. Anschließend nimmt man den Rotor aus dem Gehäuse verbindet ihn mit dem 5 Watt leistungsstarken Generator. Das Gehäuse wird in Flussnähe befestigt, der Rotor ins Wasser geworfen, rotiert und das Gerät beginnt zu laden. Eine Stunde Aufladen soll leere Smartphones je nach Stärke der Strömung und geforderter Akkukapazität sofort wieder einsatzbereit machen.

Die Projekte von Aquakin schienen schnell gut anzukommen: Das Unternehmen gewann alle drei Phasen des Businessplan-Wettbewerbs von BayStartUp. „Dadurch haben wir von Fachleuten Unterstützung bei der Optimierung des Geschäftsplans erhalten und vor allem bei der weiteren Finanzierungssuche“, sagt Schröder. 2015 sammelten sie dann mehr als 200.000 Dollar über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter ein.

Stromerzeugung in Trinkwasserrohren

Mittlerweile wurde die Blue Freedom schon über 1.500 Mal in 60 Ländern verkauft. Der Preis liegt bei 299 Euro. Aquakin möchte noch zwei weitere Neuheiten auf den Markt bringen: Ein Wirbelwasserkraftwerk für kleine Gefälle ab zwei Metern und eine Rohrturbine für die kommunale Trinkwasserversorgung, die den hohen Druck in den Rohren in Strom umwandelt. Wasserkraft, die nicht mit bedenklichen Eingriffen in die Natur einhergeht, könnte ein großer Teil der nachhaltigen Energiegewinnung werden – im Gegensatz zu Wind- und Sonnenenergie ist sie nämlich rund um die Uhr verfügbar und grundlastfähig.
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Aquakin

Die Gesellschafter:
Wirtschaftsingenieur Benedikt Schröder, Kfz-Meister Stephan Parcado, Modellmeister und Initiator der Gründung – Leif Schoeller, PR und Marketing

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