Modewerbung 4.0 Vantastec zeigt an dir die neuesten Trends

Vantastec-founder Carsten Detzer in front of the Moodboard which is placed at the Neue Materialen Bayreuth GmbH.

Werbeplakate mit schlanken und langbeinigen Models sollen dazu motivieren, die Kollektionen von HM oder anderen Modeketten zu kaufen. Aber was steht einem wirklich und wie sehen die trendigen Teile in einer anderen Pose aus? Der Bayreuther Carsten Detzer will mit dem Moodboard das Werben der Textilindustrie zielgerichteter und somit effektiver gestalten.

Ein USA-Urlaub brachte die Idee für sein eigenes Business: In einer Mansion in San Diego lernte Carsten Detzer einen Startup Unternehmer aus New York kennen. Dieser erzählte ihm von seiner neuen Gesichtserkennungssoftware für zielgruppenspezifische Werbung auf dem Display. „So etwas ist am besten in der Modeindustrie anwendbar“, findet Detzer. Schließlich interessieren sich Herren nur für Herrenkleidung oder Damen eben nur für Damenkleidung. Schnell kam der Groß-und Einzelhandelskaufmann darauf, die Software des US-Unternehmers mit einem Kinect-Sensor zu kombinieren, welcher die Bewegungen trackt. Deshalb zog sich Detzer 2014 aus seiner eigenen Werbeagentur zurück und tüftelte ein halbes Jahr intensiv an einem Geschäftsplan, der virtual dressing in ein ganzheitliches Konzept einbindet.

Rabatte durch Facebookposts
Entstanden ist letztlich das Moodboard: Eine knapp zwei Meter hohe Spiegelglas-Stele, die an der Frontseite einen Bildschirm präsentiert. Per Gesichtserkennungssoftware ermittelt eine Kamera Altersgruppe und Geschlecht des Menschen vor dem Gerät. Infrarot-Sensoren aus der Kinect erfassen die Körpersilhouette. Die Nutzer davor bewegen sich, zoomen ins Bild oder wechseln die Klamotten. Außerdem kann man mit Hilfe eines QR-Codes sein Lieblingsoutfit in sozialen Netzwerken verbreiten. Dafür gibt es einen Rabatt, der an der Kasse oder gleich im Onlineshop des Labels genutzt werden kann. Das Moodboard liegt laut Detzer maximal eine Konfektionsgröße daneben. „Es ersetzt eine Anprobe nicht. Ich denke aber auch nicht, dass es jemals einen gleichwertigen Ersatz dafür geben wird.“ Patentiert ist die Modulkombination aus RFID, MAC-Adresse, Logotracking sowie Gesichtserkennungstracking.

Januar 2015 zog Carsten Detzer von Bayreuth in die mazedonische Hauptstadt Skopje. Dort stellte er vier Leute ein und gemeinsam arbeiteten sie bis Juli 2015 an einem ersten Prototypen des Moodboards. Im ersten Moment erscheint seine Standortwahl recht ungewöhnlich. Doch neben dem sonnigen Wetter soll auch die Fachkräftesituation in Mazedonien vorteilhaft sein: „Ich habe früher Webseiten vertrieben, die in Mazedonien gut und günstig produziert wurden. Als deutscher Gründer bin ich ein dort ein Unicorn. Hier wäre es schwerer, geeignete Softwareentwickler zu finden“, erklärt der 31-jährige.

Über 6 Millionen Euro benötigt
Marketingtechnisch verfolgt das 2015 gegründete Startup Vantastec Systems einen top-down-Ansatz: Die UG will das Moodboard in Einkaufszentren platzieren und Zielgruppenfelder für Tausenderkontaktpreise verkaufen: Beispielsweise bucht Zara für einen Monat das Feld weiblich, junge Erwachsene mit Größe 34. Wenn dann irgendwo eine junge Frau mit dieser Größe vor ein Moodboard tritt, sieht sie sich mit der Mode von Zara und erfährt, wo der nächste Zara-Laden ist. Momentan sammelt das Team von Vantastec Risikokapital ein. Für das Seed Investment sind 6,4 Millionen Euro nötig, davon fehlen noch 2 Millionen. Damit möchten sie erstmal 1000 Geräte bauen lassen, diese an Malls transportieren und dort Flächen mieten. Außerdem soll der Kinect-Sensor in Zukunft hinter dem Moodboard angebracht sein.

Detzers Vision ist es, dass solche Geräte später auch an U-Bahnstationen gang und gäbe sind. RFID-Chips an der Kleidung werden getrackt, um individualisierte Werbung anzuzeigen. Anzugträger würden so beispielsweise vor allem edle und schlichte Kleidung präsentiert bekommen. Den stationären Einzelhandel stellt sich der 31-jährige als „Erlebniswelt“ vor, doch der Point of Purchase werde immer weiter abwandern.

Eine kleine Video-Demonstration des Moodboards findet ihr hier.

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