3D-Drucker für den kleinen Geldbeutel

Egal ob für Prototypen im Maschinenbau und Design oder für Serienfertigungen in der Medizintechnik und Luftfahrt – 3D-Drucker sind eine vielseitige Hilfe. Doch auch außerhalb der Industrie wachsen Angebot und Interesse an der disruptiven Technologie. Christian Meiser aus Gunzenhausen möchte nun Menschen mit kleinerem Budget für den 3D-Druck begeistern.

Seit 2013 baut der Gründer der CMB 3D Ideenschmiede alles, was ihm in dreidimensionalen Daten geliefert wird. Außerdem konstruiert Meiser andere Ideen selbst am PC mit verschiedenen 3D CAD Programmen wie Solid Egde oder Autodesk und scannt rundliche Objekte dreidimensional ein. Dekorationsgegenstände sind bei Privatkunden sehr gefragt. Lukrativer ist für den 32-jährigen natürlich das Geschäft mit größeren Firmen wie dem Halbleiterhersteller Infineon, für den er unter anderem Gehäuse für Serverrahmen fertigt.

Aber nur ein „Maker“ zu sein reiche in dem Geschäft nicht, rieten ihm Experten auf einem Gründerwettbewerb. Ein eigenes Produkt müsse her. Mit zwei Investoren und befreundeten Tüftlern grübelte Meiser an einem Produktkonzept: „Uns war klar, dass wir an der Technologie nichts mehr verbessern können. Deswegen wollten wir einen möglichst günstigen 3D-Drucker machen und so einen neuen Kundenkreis an die Technologie heranführen“.

Schüler drucken ab 99 Euro

Entwickelt haben sie letztlich Hanni – ein zierliches Gerät, das alles drucken kann, was ein Volumen von maximal 512 ccm hat. Meiser möchte einen Standardpreis von 180 Euro für sein Produkt erreichen. Aber durch eine Crowdfunding Kampagne und vor allem durch Förderungen für Schulprojekte soll Hanni schon ab 99 Euro erhältlich sein.

Der neue Drucker funktioniert mit dem Fertigungsverfahren „Fused Deposition Modeling“ (FDM), nach dem ein Werkstück schichtweise aufgebaut wird. FDM ist gebräuchlich im privaten 3D-Druck und beim Erstellen semiprofessioneller Prototypen. Als Materialien dienen dabei schmelzfähige Kunststoffe wie Nylon oder Polyamide. Weitere wichtige Werkstoffen fürs 3D-Drucken sind Keramik, Zement, Glas und Metalle wie Titan und Aluminium.

Eigentlich ist der Gründer der Ideenschmiede kein Techniker, sondern „leidenschaftlicher Verkäufer“. Als gelernter Einzelhandelskaufmann arbeitete Christian Meiser bis zur Gründung der CMB 3D Ideenschmiede (2014) in einem Baumarkt. „Ich habe aber schon immer gerne an Autos oder anderen Sachen in der Garage herumgetüftelt“, sagt der 32-jährige. Ein Freund aus Berlin baute Trinckle.de auf, die deutsche Vermittlungsplattform für Designer und 3D-Drucker. „Er hat mich sofort für 3D-Druck begeistert“. Außerdem konnte Meiser durch ihn Kontakte knüpfen, unter anderem zu EOS, dem führenden Anbieter von industriellem 3D-Druck. „Mittlerweile habe ich ein sehr gutes Netzwerk an Leuten, die das Projekt unterstützen“, freut sich der Gunzenhausener. Seine Kontakte knüpfte er vor allem in den Social Media Gruppen der Branche. So gewann er auch seinen ersten Angestellten für das Hanni-Projekt, einen gelernten Maschinen- und Anlagenführer.

Erträge durch Service

Gerade arbeitet Meiser mit Infineon an einem WiFi Sicherheitstracking, damit die Schüler nur mit der Genehmigung von Erwachsenen drucken können. Twitter oder Facebook werde dank eines eigen entwickelten Softwaretools für Hanni auch kein Problem sein. Außerdem muss Hanni nun durch den TÜV, um die Investoren zu überzeugen. Zur Weihnachtszeit wird die Crowdfunding Kampagne starten. „Mit dem Verkauf allein ist es finanziell noch nicht getan“, weiß Meiser. Wie viele andere Hardwareanbieter möchte er deshalb vor allem, mit dem Rundum-Service Geld verdienen, dazu gehören Wartungsverträge und Schulungen.

Den ersten funktionierenden 3D-Drucker entwickelte 1984 der amerikanische Ingenieur Charles Hull. Allerdings waren die Geräte damals noch nicht von Bedeutung für kommerzielle Anwendungen, erst seit dem 21. Jahrhundert erlebt die 3D-Innovation richtig Aufwind. Gründe dafür sind ihre technische Weiterentwicklung, eine stärkere Verbreitung von IT generell, der Patentablauf für das FDM-Verfahren – verbunden mit dadurch entstehenden Open Source Produkten – sowie steigendes Interesse von Politikern und Investoren.

Startup Demo Night in Nürnberg: Christian Meiser mit dem Schüler Leonhard Götz, der gerade das dreidimensionale Drucken mit "hanni" lernt.

Startup Demo Night in Nürnberg: Christian Meiser mit dem Schüler Leonhard Götz, der gerade das dreidimensionale Drucken mit „hanni“ lernt.

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