Mit Cykyria endlich ins Weltall

Cykyria Auf der Startup Demo Night probierten viele Besucher die Virtual Reality Brillen von Cykyria aus. Fotograf: Stefan Kleeberger

Virtual Reality bietet Gamern nahezu unendliche Möglichkeiten und ist auch für andere Branchen eine interessante Technologie. Unsere Autorin Hannah Friedrich stattete dem Virtual Reality Startup Cykyria aus Nürnberg ein Besuch ab und tauchte in die Spielwelt ein.

Ich stehe vor einem Raumschiff. Um mich herum Berge und rotglühende Stellen am Boden. Über mir blauer Himmel, Sternschnuppen fallen mit absurder Häufigkeit. Langsam laufe ich los, über Bodenwellen, zwischen Felswänden entlang. Auf meinem Weg sammle ich in der Luft schwebende Flammen ein, indem ich einfach durch sie hindurchgehe. Trotzdem fühle ich keine Hitze, und was ich trage, ist kein Raumanzug.

Als ich die Virtual Reality-Brille abnehme, komme ich zurück in die Räume von Cykyria, die ich eigentlich nie verlassen habe. Die auf Virtual Reality (VR) spezialisierte Firma wurde 2014 von Benedikt Engelhard gegründet, der zufällig auf VR stieß und sofort fasziniert war. Obwohl VR-Brillen damals noch mit Klebeband zusammengehalten wurden, erkannte er das Potenzial. Engelhard kündigte seinen Job als Consultant, um ein Unternehmen zu gründen, das sich ausschließlich mit diesem Thema beschäftigt. „Auf dem Weg dahin, wo wir heute stehen, gab es einige Stolperfallen“, erinnert sich der Geschäftsführer. „Aber letztendlich haben wir es geschafft.“

Großes Portfolio trotz kleinem Team

Wir, das sind er und Doris Conrad, die für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Insgesamt beschäftigt Cykyria vier Mitarbeiter. Das klingt erst einmal wenig, allerdings kann sich das Portfolio der Firma sehen lassen: An der Hüfte in einem Gestell eingespannt, mit Brille und Kopfhörern ausgestattet und mit zwei Controllern in den Händen kann man mit „Treadmill“ (momentan noch ein Prototyp) virtuell unendlich weit laufen. Außerdem gibt es das „Roomscale“ und das „Seated“-Modul. Mit „Roomscale“ kann man sich mit Controllern und Brille auf ungefähr fünf mal fünf Quadratmetern frei bewegen, „Seated“ eignet sich beispielsweise für Flugsimulationen. Neu in diesem Bereich ist das „Branded VR Racing“, bei dem man mit Pedalen und Lenkrad virtuell eine Rennstrecke entlangfährt. Noch ist dies nur auf Ausstellungen möglich, allerdings finden einige Module schon außerhalb von Messen Anwendung.

Nutzen für Architektur und Tourismusbranche

Firmen nutzen VR bereits in vielen Bereichen, indem sie mithilfe der Technik komplexe Gerätschaften oder Prozesse realistisch darstellen. „Normalerweise kann man eine Maschine nicht komplett aufmachen und reinschauen“, sagt Engelhard. „Dank VR kann man aber in das Modell hineingehen, zoomen, etwas im Detail ansehen.“ Auch Architekten würden profitieren: Zukünftig könne man begehbare 3D-Modelle bereits in der Planungsphase einsetzen. Gefällt ein Design nicht, ließe es sich am Computer schnell ändern, was sofort im Modell sichtbar sei. Laut Doris Conrad ist auch eine Anwendung in der Tourismusbranche denkbar. Ohne großen Aufwand könne man sich an einen anderen Ort versetzen lassen. Zielgruppe wären hierbei Personen, die nicht die Möglichkeit haben, tatsächlich zu reisen, oder Menschen, die „ihren Appetit anregen wollen“.

Das größte Einsatzgebiet ist allerdings der Bereich Spiele. „Im Gaming-Sektor sind wir sehr stark vertreten“, meint Lisa Zumblick, Media Engineer bei Cykyria. „Er treibt die Entwicklung auch am stärksten voran.“ Der große Unterschied zu den anderen Einsatzmöglichkeiten: Angesprochen werden nicht nur Firmen, sondern auch Privatpersonen. Seit April 2016 hat Cykyria mit „Seated“ und „Roomscale“ zwei VR-Module auf dem Markt, die auch für den Heimgebrauch bestimmt sind. Voraussetzung hierfür ist allerdings ein leistungsfähiger Computer.

Billige VR-Brillen führen zu Übelkeit

Es ist zwar auch möglich, VR auf dem Smartphone zu betreiben, allerdings sei die Darstellung weniger ausgefeilt. Den Bastelsatz für eine Brille, die das Handy hält, gibt es bereits für 10 Euro. Das Risiko, dass den Benutzern schlecht wird, sei aber bei sehr günstigen Brillen größer, warnt Engelhard. Ob es öfter Probleme mit Übelkeit gibt? „Man hat schon eine gewisse Verantwortung“, meint Engelhard. Zum Beispiel müsse man Personen, die an Höhenangst leiden, auf steile Abhänge hinweisen, da das Gefühl, am Abgrund zu stehen, so real sei. Außerdem könne man in den Spielen keine Treppen steigen. Denn wenn die Augen den Aufstieg wahrnehmen, der Körper aber keinen Höhenunterschied feststellt, würde den meisten übel.
Bei Stufen kommt die Virtual Reality-Technik also an ihre Grenzen. Dafür aber ist es möglich, im Weltall umherzulaufen.

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