Das Startup Weekend Nürnberg beschleunigt Gründungen

Jede Geschäftsidee ist wertlos, solange es nur bei der Idee bleibt. Doch für Menschen, die schon durch Job oder Studium sehr beschäftigt sind, gestaltet es sich schwierig, nebenbei ein Vorhaben zu konkretisieren. Zudem fehlen oft Möglichkeiten, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen oder Experten-Feedbacks zu erhalten. Die „extented Version“ des Startup Weekend Nürnberg im Coworking Space half angehenden Gründern deshalb etwas auf die Sprünge.

Auf ungefähr so ein Modell will Stefanie zurückgreifen, um einfaches Waschen ohne Strom zu ermöglichen.

Auf so ein Modell will Stefanie evtl. zurückgreifen, um einfaches Waschen ohne Strom zu ermöglichen.

In Afrika lebt ein Drittel der Bevölkerung ohne Strom. Fehlende Waschmaschinen sind eines von vielen nicht unwesentlichen Problemen, die sich daraus ergeben: „Es ist sehr anstrengend und langwierig, große Mengen mit der Hand zu waschen“, erklärt Stefanie Brandl den anderen Teilnehmern der Veranstaltung.

Die Management-Studentin war nach ihrem Bachelor ein halbes Jahr in Afrika unterwegs und beobachte dort die mühsamen Prozeduren. Deshalb googelte sie nach rein mechanischen Waschmaschinen und ist auf ein Projekt einer Gruppe US-Studenten aus dem Jahr 2012 gestoßen: Diese konstruierten eine Waschmaschine, welche dadurch angetrieben wird, dass man leicht in die befestigten Pedale tritt. 40 Euro sollte ein Gerät kosten.
„Ich weiß nicht, warum das Projekt nicht weiterverfolgt wurde. Die Nachfrage war jedenfalls da“, sagt Stefanie Brandl. Aber sie ist nach dem erweiterten Wochenende fest entschlossen, einen eigenen Prototypen zu bauen. Das technische Know-How erhofft sich die 25-jährige durch Unterstützung von Technik ohne Grenzen.

Von Mittwoch bis Sonntag tüftelten die rund 30 Teilnehmer des Startup Weekend Nürnberg an ihren Ideen und gaben sich gegenseitig Feedback. In Workshops, z.B. zu Recht & Steuern oder Marketing, eignete man sich zudem die Basics zur Unternehmensgründung an. Am ersten und letzten Tag pitchten die Ein- und Zwei- Mann-Teams ihre Vorhaben.

Optische Hingucker waren dabei Nils und Markus alias Superman und Batman: Mit ihrer App Trevor sollen Reisekostenabrechnungen automatisiert erfolgen. Rechnungen müssen nur noch abfotografiert werden und einzelne Einträge können im Nachhinein noch hinzugefügt bzw. entfernt werden. Zudem werden auf den Reisen Bewegungsprofile erstellt. Durch die App soll man auf seinen Geschäftsreisen wieder „Zeit haben, ein Held zu sein“. Bisher gebe es nur Apps, über die man alle Daten selbst eintippen muss.

Die Ideen auf dem arbeitsintensiven Wochenende waren nicht auf Technik und das World Wide Web beschränkt. Im Gegenteil: Michael Peiker möchte sein Geschlecht weg von einseitiger virtuellen Freizeitbeschäftigungen „Back to the Roots“ führen. Sein Plan ist eine Art Männerzentrum, indem gemeinschaftlich gehandwerkelt wird, man(n) sich mal Zeit mit Kicker spielen vertreiben kann oder mit ein paar Sportgeräten trainieren kann ohne, dass es dabei ums Pumpen geht.
Eine der größten Herausforderungen wird es laut dem Mittelschullehrer sein, für diese Spielwiese eine große und zugleich zentrale Immobilie zu finden. Der Männerhort von Michael Peiker richtet sich vor allem an den „urbanen Cowboy“ zwischen 25 und 40 Jahren – keine ungewöhnliche Zielgruppe bei neuen Projekten.

An eine kaum beachtete „Zielgruppe“ wendet sich Hildegard Hauptmann, nämlich Menschen mit Krebserkrankung, die mit ihren Ängsten nach der Diagnose allein gelassen werden. Die Heilpraktikerin für Mentaltraining weiß, wie wichtig es sein kann, mit Ruhe den Krebs zu bekämpfen. „Während meiner Krebserkrankung hatte ich schwere Atemnotanfälle. Ich habe es geschafft, nicht in Panik auszubrechen. Ansonsten hätte es alles noch viel schlimmer gemacht.“
Nun möchte sie ihre selbstständige Tätigkeit darauf fokussieren, Patienten durch Einzelcoaching in einer Ohnmachtssituation die Angst zu nehmen. Als 68-jährige, die schon gar nicht mehr arbeiten bräuchte, ist Hildegard Hauptmann kein typischer Besucher des Coworking Space. Das macht aber nichts: „Es ist hilfreich, sich mit vielen Leuten austauschen zu können“. Durch das Startup Weekend konnte sie ihre Pläne stärker auf den Punkt bringen.

Startup Weekend Nürnberg

Der Geschäftsführer der Proud Sourcing GmbH, Stefan Peter Roos, gestaltete für das Startup Weekend 2016 Workshops zur Canvas-Methode und zu Pitching Skills. Organisiert wurde die ausgebuchte Veranstaltung von dem Wirtschaftsstudenten Dominic Feld, Svetlana Svetansson (PR Coworking Space) sowie Franka Wittek (Geschäftsführerin Coworking Space).

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