Der Zollhof bietet digitalen Startups vielfältige Unterstützung

Zollhof Nürnebrg Alexandra Brückner (m.) und das restliche Team der Freelancer-Plattform MatchManao

Im Oktober 2017 wurde der Tech-Inkubator Zollhof eröffnet. Das Gründerzentrum im Kohlenhofareal in Nürnberg bietet Startups nicht nur Bürofläche, sondern auch Unterstützung rund ums Gründen. Unsere Autorin Hannah Friedrich hat sich im Zollhof umgesehen und mit den dort ansässigen Startups MatchManao, Onsuma und Kultify gesprochen.

Die Einrichtung des Eingangsbereichs im „Zollhof – Tech Incubator“ wirkt wie aus einem Lifestyle-Magazin: modern aber gemütlich. Eine Küche, die durch halbhohe, schwarze Wände wie in einer Bar abgetrennt ist. Eine Sitzecke mit bunt zusammengewürfelten Stühlen und Teppichen, die gut vom Flohmarkt sein könnten, farblich aber perfekt abgestimmt sind. Auf dem zugehörigen Tisch liegen die Technology Review und das Venture Capital Magazin. Hinter der Küchenzeile steht ein langer Tisch mit hellen Holzbänken, an dem gemeinsam zu Mittag gegessen werden kann. Darüber hängt ein weißes Neonschild mit der Aufschrift „Zollhof“, was den Eindruck verschärft, man sei zu Gast in einem stylischen Wohnzimmer.

Der Zollhof fördert Startups, bietet diesen ein Netzwerk von Investoren und Unternehmenspartnern sowie anderen Startups, gibt praktische Unterstützung und veranstaltet Workshops und Coachings für sie. Zusätzlich veranstaltet das Zollhof-Team Events, die für jeden zugänglich sind. Wie beispielsweise „Know-How-Events“, bei denen Experten zu einem bestimmten Thema referieren. Die Inhalte dieser Veranstaltungen wie auch die der nicht öffentlichen Workshops sind vielfältig: Von Finanzierung und Beteiligung bis hin zu Vorträgen über die Wichtigkeit von Teambuilding ist alles dabei.

Dreimonatiges Programm für Studenten mit Unternehmergeist

Auch in dem offenen Büro neben dem Eingangsbereich gibt es einen langen, gemeinsam genutzten Tisch statt einzelne Arbeitsplätze. Hier sitzen die Zollhof-Mitarbeiter und Studenten, die am sogenannten „Talent Program“ teilnehmen. Im Rahmen dieses Programms arbeiten Studierende an Projekten des Zollhofs und dessen Corporate Partners mit und sammeln unternehmerische Erfahrungen. Dabei kommen sie, ganz dem Klischee von Digitalunternehmen entsprechend, in den Genuss von Spielkonsolen und einer Tischtennisplatte.

Büro zum Schnäppchenpreis

Ganze 26 Startups unterstützt das Gründerzentrum zurzeit. 14 davon sind im „Fellow-Programm“ und sind über ganz Deutschland verteilt. Die restlichen zwölf sitzen in den gemeinschaftlich genutzten Büroräumen des Zollhofs. Für das Gemeinschaftsbüro zahlen die Startups 89 Euro im Monat, Kaffee- und Wasserflatrate sind inklusive.

Bald werden weitere Startups dazu kommen: Gerade läuft das Auswahlverfahren der zweiten Bewerberrunde, die besten fünf dürfen in den Zollhof einziehen. Dafür sind mehrere Kriterien entscheidend: Die Bewerber müssen bereits ein Konzept und ein Team haben; außerdem ist wichtig, ob für die Idee hinter den Konzepten Bedarf besteht und ob es einen Markt dafür gibt.

Die Startups, die schon Schreibtische in den Räumen des Zollhofs haben, haben die Kriterien erfüllt. Dazu zählen unter anderem MatchManao, Onsuma und Kultify.

Projektpartnersuche mit ungewöhnlichen Kriterien

MatchManao funktioniert im Prinzip wie eine Partnerbörse und vernetzt Selbstständige und Unternehmen, die Freelancer für Projekte suchen. Der entscheidende Vorteil von MatchManao (matchmanao.de) ist, dass der Algorithmus nicht nur berufliche, sondern auch zwischenmenschliche Komponenten berücksichtigt.

Das sei gerade bei Projekten mit einem straffen Zeitplan wichtig, erklärt Alexandra Brückner, Gründerin von MatchManao. Deshalb besteht MatchManaos Konzept aus zwei Schritten: Zuerst werden in einem Briefing die Fakten abgeklärt: Was sind die gesuchten beruflichen Kompetenzen? Worum geht es? Anschließend füllen beide Seiten einen psychologischen Fragebogen aus. Dieser umfasst über 900 Faktoren, die ein Algorithmus bei der Auswertung berücksichtigt.

Laut Brückner sind bereits rund 750 Freelancer im Portal registriert. Momentan umfasst MatchManao Freiberufliche aus den Branchen Großmarketing, Design und Software-Entwicklung; das Prinzip lasse sich jedoch auch auf andere Bereiche anwenden. Als nächste Sparte sollen Brückner zufolge freiberufliche Berater in das Portal aufgenommen werden.

Und das ist nicht die einzige Neuerung, die ansteht: In Zukunft möchte MatchManao auch weitere Dienstleistungen anbieten und beispielsweise den Selbstständigen das Erstellen von Rechnungen abnehmen.

Onsuma will den Onlinekauf von Lebensmitteln erleichtern

Onsumas Anspruch ist es laut Gründer Angelo Canzaniello, den Wocheneinkauf zu optimieren. Onsumas Website liefert dazu einen Vergleich von Online-Shops für Lebensmittel in Hinblick auf Preis, Lieferdauer und andere Komponenten. Kunden können auf onsuma.de bequem einen Warenkorb mit allen gewünschten Produkten füllen und dabei Präferenzen wie beispielsweise „schnellstmögliche Lieferung“ oder „möglichst billig“ angeben. Das System ermittelt dann, welcher Online-Shop am besten zu den übermittelten Angaben passt und leitet Kunden direkt zu dessen Seite weiter, ohne dass der Warenkorb von neuem befüllt werden muss. Das spare Zeit und Geld, so Canzaniello.

Noch ist Onsumas Seite nicht online, allerdings ist das nur noch eine Sache von Tagen. „Noch ein paar schlaflose Nächte“, so Canzaniello, dann ist es so weit: Am 22. Mai ist der offizielle Launch. Bis dahin wartet noch Arbeit auf Canzaniello und Mitgründer Michael Haase, obwohl sie die größten Herausforderungen wohl bereits gemeistert haben: Immerhin mussten sie Online-Shops davon überzeugen, dass die zusätzliche Transparenz durch den Vergleich auf Onsumas Seite sich auszahlen würde. Bis jetzt arbeiten fünf große Online-Lebensmittelhändler mit Onsuma zusammen, ein großer Erfolg für das junge Unternehmen.

Sobald der Launch geschafft ist, wollen Canzaniello und Haase gleich das nächste Ziel angehen: Bald soll der Ersteinkauf nur noch fünf Minuten in Anspruch nehmen.

Unternehmenskultur-Analyse mit Kultify

Kultify ist eine Plattform für digitale Analysen zum Thema Unternehmenskultur an. Durch interne Umfragen kann die Einstellung der Mitarbeiter einer Firma zu Werten sowie zur Führungs- und Kommunikationskultur ermittelt werden. Die Analyse könne dem Unternehmen die Frage „Wer sind wir überhaupt?“ beantworten, erklärt Stephan Bloß, einer der beiden Gründer. So lasse sich beispielsweise feststellen, ob die Werte der Firma und die der Mitarbeiter zusammenpassen. Auch könne das Unternehmen dadurch sehen, ob die tatsächlich intern vertretenen Werte mit den nach außen hin beworbenen übereinstimmen. Dazu kommt, dass leichter sichtbar werde, durch welche Stärken – sei es in Bezug auf Werte, Führung oder Kommunikation – sich die Firma von der Konkurrenz abheben kann: Sind die Mitarbeiter beispielsweise mit den Chefs zufrieden, kann das eine gute Werbung nach außen hin sein. Auch lasse sich das so erteilte Feedback gut nutzen, um „interne Potenziale aufzudecken“ und sich zu verbessern, sagt Bloß.

Das Verfahren haben Bloß und Mitgründer Jan Kühnlein laut eigenen Angaben bereits bei einer Firma mit rund 1000 Mitarbeitern angewendet. Dies wertet Stephan Bloß als großen Erfolg: Es sei ein großer Gewinn an Erfahrung und gewesen, und mache sich natürlich auch als Referenz gut.

Zukünftig möchten die beiden Gründer ihre Analyse noch weiter ausbauen: Unter dem Punkt Kommunikationskultur solle zukünftig auch die abteilungsübergreifende Kommunikation erfasst werden. Daraus solle eine Art Netzwerk-Karte entstehen, die zeigt, welche Abteilungen gut und welche schlechter vernetzt sind.

Der Zollhof vergrößert sich

In Zukunft möchte das Nürnberger Gründerzentrum seinen Startups noch mehr bieten. Für Ende 2019 ist der Umzug in ein neues Gebäude geplant, nicht weit entfernt vom jetzigen Standort. Dort soll es dann auch die Möglichkeit geben, mit 3D-Drucker und Co. Prototypen zu bauen. Auch bietet der neue Standort Raum für über 100 Arbeitsplätze.

Valentina König, administrative Managerin und zuständig für Personalmanagement, ist schon seit den Anfängen des Zollhofs dabei. Noch vor einem Jahr hätten sie mit fünf Mitarbeitern begonnen, erinnert sie sich. Inzwischen seien es jedoch mehr als doppelt so viele. „Es ist alles am Wachsen und Werden“, meint König.

Das Team von Onsuma: Michael Haase, Dr. Angelo Canzaniello, Eduard Piazza (v.l.)

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