BOTfriends möchte die Anlaufstelle für Entwicklung und Design von Bots werden

botfriends würzburg

Welche Persönlichkeit soll ein Chatbot haben? Laut einer Umfrage von Survata bevorzugen fast 20 % der Deutschen schroffe Bots, bei Amerikanern ist das die Ausnahme. In beiden Ländern möchten mehr als die Hälfte der Befragten mit einem freundlichen Bot kommunizieren. Eine formelle Persönlichkeit kommt dagegen bei Franzosen und Japanern gut an.

Natürlich kommt es nicht in erster Linie auf die Persönlichkeit an. Die smarten Dialogsysteme – Anfang 2018 gab es von ihnen etwa 200.000 allein im Facebook-Messenger – sollen vor allem hilfreich sein. Daran arbeitet auch das Würzburger Startup BOTfriends GmbH, das 2017 gegründet wurde. Im Interview verrät uns Mitgründerin Michelle Skodowski unter anderem, was BOTfriends gerade tut, für die Zukunft plant und wie sich das junge Unternehmen finanziert.

Was macht BOTfriends und was macht es besser?

Michelle Skodowski: Unser Fokus liegt auf der Entwicklung von Chatbots in Messenger-Plattformen und Voice Assistants mithilfe von künstlicher Intelligenz. Dabei sind wir spezialisiert auf die Entwicklung von Proof of Concepts bis hin zu individuellen Unternehmenslösungen durch Natural Language Processing, Machine Learning und API Integration.

Durch die lange Zusammenarbeit mit Konzernen sind wir ebenfalls darauf spezialisiert, skalierbare Chatbot-Architekturen zu konzipieren, die wir in unserem Backend vereinen, um die Technologie von Chatbots global auf Unternehmen auszurollen. Zudem legen wir höchste Priorität auf ein außerordentliches Conversational Design.

Wo stößt die künstliche Intelligenz von Chatbots noch an ihre Grenzen?

Skodowski: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele unserer Kunden von Anfang an sehr hohe Erwartungen an einen Chatbot haben. Die künstliche Intelligenz ist gerade zu Beginn immer nur so leistungsfähig wie ihr Datenbestand, auf den sie zugreifen kann. Deshalb müssen von Anfang an Schnittstellen geschaffen werden, damit der Chatbot auf große Datenbanken und eine Wissensbasis zugreifen kann.

Die Entwicklung eines Chatbots kann man mit dem Aufwachsen eines Kindes vergleichen: Der Chatbot lernt mit jedem Gespräch dazu und wird dadurch „intelligenter“. Die größten Herausforderungen bestehen jedoch aktuell nicht darin, die Absicht hinter der Frage des Nutzers zu verstehen, sondern ein natürliches Gespräch „am Laufen“ zu halten, indem der Kontext des Gesprächs kontinuierlich verstanden wird. Zum Beispiel fällt es uns Menschen sehr einfach, im Gespräch zwischen verschiedenen Themen hin und her zuspringen und uns an alte Gesprächsinhalte von unserem Partner zu erinnern. Ein Chatbot hat damit aktuell noch zu kämpfen.

Falls es dann doch zu Verständnisproblemen zwischen Bot und Mensch kommen sollte, kann ein gut durchdachtes Conversational Design weiterhin eine hohe Nutzerfreundlichkeit sichern. Zum Beispiel sollte man dem Nutzer deutlich machen, welche Inhalte er den Chatbot fragen kann, und dass er jederzeit auch an einen echten Mitarbeiter weitergeleitet werden kann (Human Handover).

Wer sind die Kunden von BOTfriends?

Skodowski: Zu unseren Kunden zählen große Unternehmen wie Porsche, s. Oliver oder Innogy aber auch internationale wie das Cookhouse Lab in Toronto. Wir arbeiten aber auch gerne mit Mittelständlern wie der Firma Lauda zusammen

Wie habt ihr zueinander gefunden?

Skodowski: Daniel und Kevin haben den Grundstein für die Idee BOTfriends gelegt. Während eines Praktikums bei Porsche haben sich die beiden mit dem Thema Conversational Interfaces in ihrer Freizeit beschäftigt und gleichzeitig nach einer Einsatzmöglichkeit bei Porsche gesucht. Die beiden haben das Thema bei Porsche vorgestellt, sodass dort unser erstes Produkt entstanden ist – der „Porsche Jobs & Career Chatbot“.

Der nächste logische Schritt war für uns, die Technologie weiter als eigenständiges Unternehmen voranzutreiben. Tobi und ich studierten damals mit Daniel und Kevin. Er als Entwickler und ich als Expertin für User Experience Design und Projektmanagement vervollständigten das Team.

Wieso habt ihr euch für den Standort Würzburg entschieden?

Skodowski: In Würzburg haben wir direkt nach dem Studium gegründet, weil die Stadt neben ihrer zentralen Lage in Deutschland tatsächliche viele Anlaufstellen für Gründer bietet. Das vereinfacht die Vernetzung in der Szene.

Womit verdient BOTfriends gerade und langfristig Geld?

Skodowski: Wir wollen die Konversation zwischen digitalen Helfern und Kunden so einfach und intelligent wie möglich gestalten. Dabei fokussieren wir vorrangig das Projektgeschäft. Damit finanzieren wir uns seit dem ersten Tag und konnten so auch auf jegliche Investoren verzichten.

Um die Skalierbarkeit unseres Geschäftsmodells weiter zu erhöhen, arbeiten wir auch mit Hochdruck an eigenen Produkten. So sehen wir beispielsweise Potenzial darin, Chatbots aus bestimmten Themenbereichen wie Human Resources oder Events zu standardisieren. Denn hier bestehen immer dieselben Fragen: Wo gebe ich meine Urlaubsantrag ab? Wo sitzt die Kollegin XY? Solche Fragen können in einer zentrale Trainingsdatenbank vereint werden. Dadurch profitieren alle Anwender von einem Chatbot, der stetig trainiert wird.

Außerdem wird es ab Dezember 2018 mehrere kostenpflichtige Seminare geben, die bei Bedarf gebucht werden können.

Welche Tätigkeiten nehmen momentan den Großteil eurer Zeit ein?

Skodowski: Das wichtigste bei der Entwicklung eines Chatbots ist die Konzeptionsphase zu Beginn. Hierbei sind vor allem Design-Thinking-Methoden gefragt, damit der genaue Mehrwert des Bots herausgestellt werden kann. Wenn man dann festgelegt hat, welchen Ziel und Zweck dieser erfüllen soll, erarbeiten wir verschiedene Personas, also archetypische Nutzer, um daraus herzuleiten wie eine möglichst personalisierte Kommunikation stattfinden kann. Das alles ist auch essenziell bei der Identifizierung eines geeigneten Charakters für den Chatbot und einer Tonalität, die zum jeweiligen Unternehmen passt.

Wo steht BOTFriends in drei Jahren?

Skodowski: Unsere Mission „We create conversations“ ist auch unsere Vision. Wir möchten durch den Einsatz von Chatbots Kommunikationsabläufe optimieren und vor allem die Anlaufstelle in Deutschland für das Thema Entwicklung und Design von Bots werden. Wir möchten unsere Expertise an neue Mitarbeiter weitergeben und unser Team deutlich vergrößern.

Zudem planen wir im Bereich Voice auch noch aktiver werden, da sich unsere aktuellen Projekte primär auf textuelle Bots fokussieren.

botfriends

2017 waren es nur die vier Gründer, mittlerweile besteht das Team von BOTfriends aus ca. 12 Personen und soll laut Michelle Skodowski (mitte) demnächst weiter wachsen.

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